Charakteristisch für die Welt des Digitalen ist eine Art von „Doppelbödigkeit“ – Dinge sind eben nicht was sie scheinen!
Benutzer-Oberflächen, Layouts, Bilder, Töne sind quasi nur eine Maske, angelegt für unser Bewusstsein. Je nach gewählter „Übersetzungsform“ erscheinen uns auf der Oberfläche völlig unterschiedliche Dinge.
So sind Webseiten und  Oberflächen in Wahrheit aneinander gereihte Programmzeilen, minimalistische Informationen, die uns wie Hyroglyphen erscheinen….
Je besser sie den Betrachter spiegeln, je besser sie dem Gewohnten entsprechen, desto einfacher scheint der Zugang und desto größer und unumstößlicher wird der Glaube daran, was man wahrnimmt, sei real…

…man könnte sich fragen, wie eine derartige Parallelexistenz möglich ist. Die Analogie von sinnlichem Schein und abstraktem Code, wie die zwei Seiten einer Medaille, geben Rätsel auf und im nächsten Schritt eröffnen sie schon weitere Metaebenen.

es entsteht ein Feld für Experimente mit dem, was bisher nur erahnt werden konnte… Das Finden von Zusammenhängen, das Umkehren von Beziehungen, der Tausch von Projektor und Projektion etc… all dies sind kleine Schritte auf dem Weg zu einer völlig revolutionierten Wahrnehmung…

Die Tatsache der Doppelbödigkeit birgt eine Vision – die Vision einer neuen Art von Bewusstsein. Ein Bewusstsein, das sich kontinuierlich selbst reflektiert, ein Bewusstsein, das eine sich selbst antreibende Umkehrung von Wirkungsverhältnissen erzeugt…das Schein erzeugt, um in Anschluss das Scheinende zu konstituieren, ein Bewusstsein, das Programmcodes liest wie eine Sprache, ein Bewusstsein, für das nur noch ein struktureller Unterscheid besteht zwischen real und nichtreal…

Wie sähe das Experiment der formalen Umstülpung aus…???
… wenn auf der Ebene des Codes jetzt die „sinnbeladenen“ (=sinnlich erfassbaren) Inhalte abgebildet wären (so etwas, wie Goethes Faust als Programmcode) – was würde man nun auf dem Display (=sinnlichen Oberfläche) finden…? Wie müsste ein kongruente Übersetzung aussehen?
Lassen sich Form und Inhalt tauschen, lässt sich das Sieb durchsieben, wie erlangen wir die Fähigkeit zum verstehen Erfassen reiner Information?

Stoff für ein neues Experiment ;)

© 2009 B.Felician Siebrecht



No Responses Yet to “Digitale Doppelbödigkeit”  

  1. No Comments Yet

Leave a Reply