Ein Aufbruch ins Sehen ohne Wiederkehr
Eine VerWirklichung
Die ca. 20 m breite und 2 m hohe Installation nimmt direkten Bezug auf die “gewordene” Umgebung auf dem Gelände der Henrichshütte. “Gefundene”, zufällige Strukturen aus Farbe und korrodiertem Metall, die von deren ehemaliger Funktion zeugen, werden aufgegriffen.
… Ist Ästhetisches automatisch „KUNST“?
„Mir scheint, daß die moderne Kunst in unserem Jahrhundert unsere Sichtweise so verändert hat, daß wir, was immer es ist, als ästhetisches Phänomen genießen können”
[John Cage]
Losgelöst von eben dieser ursprünglichen Nutzung und Bedeutung werden sie als höchst ästhetische Objekte wahrgenommen und in Korrespondenz zu den ursprünglichen Objekten – quasi als Spiegelung unserer Vorstellung – wiedergegeben.
Dabei werden die zufälligen, durch (natürliche) Prozesse entstandenen Strukturen zur intuitiven Anregung. Interpretationen des Schemenhaften verleihen dem bereits Vorhandenen, scheinbar „Bedeutungslosen“ Bedeutung.
…Wann und wodurch wird etwas zu „KUNST“?
In Analogie zum Schicksal vieler Industriebrachen, die durch sogenannte “Umnutzungen” eine neue Existenzberechtigung erhalten, beginnen wir damit eine „Umnutzung“ bzw. „Umwidmung“ der ursprünglichen Bedeutung dieser Objekte.
[...Bei den ursprünglichen „Nutzern“, wie beispielsweise den früheren Zechenarbeitern, führen jene Umnutzungsbestrebungen teilweise zu einem Gefühl von Befremdlichkeit. Der Enthusiasmus der neuen Nutzer (und Interpretierer), die aufkommende Faszination anhand des „ästhetischen Grundmaterial“ ist für Menschen, die mit der ursprünglichen Funktion verwachsen waren, nicht unbedingt nachvollziehbar...]
Dennoch: Wir wagen einen Versuch, Metamorphose zu visualisieren – beispielhaft. Materielles und „Ideelles“ einander visualisiert gegenüber zu stellen und in eine Form von Resonanz zu bewegen…
…Ist „KUNST“ demnach das, was wir als solche wahrnehmen?
… sich auf diesen bereits natürlich begonnenen Prozess von Verwandlung einzulassen in Form einer schöpferischen, gestalterischen, fantasiebegründeten Wahrnehmungsweise und ihn damit zeitgleich fortzuführen steht im Mittelpunkt des Projekts.
Das Vorhandene wird insofern verwandelt, als es in seiner Nutzung und Funktion neu definiert wird. Die eigentliche äußere Form bleibt bestehen.
… Ist „KUNST“ das, was wir als solche definieren?
Das Geschehen der Wahrnehmung als solches erregt dabei zusehends unsere Aufmerksam:
Was geschieht mit jeder nuancenhaften Verwandlung des “Gesehenen”?
Wie verbindet sich letztlich unsere “Idee” der Dinge mit dem Realen, mit dem Materiellen?
Und insbesondere: Welche Rückwirkung hat dies in Bezug auf das ursprüngliche Objekt?
… Ist „KUNST“ automatisch ästhetisch?
Mit welchem Bereich unseres Bewußtseins betrachten wir die eine – mit welchem die andere Seite des Objekts?
Wann und wie entsteht letztlich Einheit in unserem Bewußtsein?
Was geschieht, während wir beginnen „ETWAS“ zu sehen, zu realisieren, Formen zu erkennen, Begriffe zu bilden?
…Ist „KUNST“ das, was wir mit Absicht als solche produzieren?
In den Dingen Bedeutung sehen, Ästhetisches im Materiellen aufspüren, die Tiefe des Wahrgenommenen ergründen – mehr sehen als Stoff, Materie, Funktion ist letztlich immer wieder ein Abenteuer!
‚Das Leben ist ein Kunstwerk und das Kunstwerk ist Leben’
[Emmet Williams]
Die Installation ist „interaktiv“. Der „Einstieg“ in eine Form von Aktivität ist betonte Absicht. Es soll nicht ein „Kunstwerk“ entstehen, dem sich die Betrachter gegenüber sehen, sondern es will letztlich nur Vorschlag sein… ein Vorschlag, anders zu sehen, neu zu sehen, zu beginnen, sich die Welt in kreativer Weise zu “eigen” zu machen…
Die Fähigkeit, Vorstellung des Realen zu verändern, neue Begriffe zu bilden, das eigene Bewusstsein zu ver-wandeln, macht aus Menschen Schöpfer der Wirklichkeit und Autoren von Kunst …
… Ist „KUNST“ die Verwandlung von Vorhandenem?
Alles Wahrgenommene entsteht aus einer Resonanz zwischen den Dingen und unserer Vorstellung. Mittels unserer Wahrnehmung arbeiten wir kontinuierlich an einer Transformation der (unserer) Welt….
Die Fähigkeit, die Gesellschaft zu verändern,
leitet sich aus der Möglichkeit ab, den Geist zu ändern…“
[John Cage]
Trotz der “Größe” der Installation soll erlebbar werden, dass das “Eigentliche” ein Immaterielles ist, das einzig entsteht oder zerfällt mit der Aktivität jedes Einzelnen …
… Kann „KUNST“ ohne Absicht entstehen?
Mit dem Entschluss, unsere Wahrnehmung bewusst zu gestalten, begeben wir uns also auf eine Reise ohne Wiederkehr.
… Ist „das Ästhetische sehen“ die eigentliche „KUNST“ oder erst ihr Anfang?
Unsere ganz persönliche Wahrnehmung dieses Teils der Henrichshütte hat sich bereits unwiderruflich verwandelt… Uns scheint es, als wären SIE dort schon immer gewesen, jene seltsamen, teils fantastischen, teils archetypischen Wesen und Orte…
Selbst das unweigerliche Verschwinden der Installation wird daran nichts mehr ändern…
„Jeder Mensch ist ein Künstler
… damit sage ich nichts über die Qualität. Ich sage nur etwas über die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt. …Das Schöpferische erkläre ich als das Künstlerische, und das ist mein Kunstbegriff. “
[Joseph Beuys]
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