… Oberfläche
„Die Oberfläche ist die ernsthafteste Sache der Welt. Sie ist vielleicht der Ort des Tragischen – in seiner Unentscheidbarkeit selbst – und sie ist der tragische Ort der Malerei.“
(Louis Marin, Die Malerei zerstören)
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Tags: Malerei, Marin, Oberfläche, Ort
Dämmerung
Die Dämmerung spinnt seltsame Wesen zwischen Licht und schwarz – Täuschung huscht hinter den Baum – aus den Augenwinkeln, wenn du dich wegdrehst, siehst du es – deutlich, so deutlich wie es sein kann zwischen Himmel und Erde. Lautlos. So schnell wird alles verwoben, dass keine Zeit mehr bleibt, zu realisieren, während schon das Herz schneller schlägt – etwas wie Angst blickt aus dem Dickicht…. Schneller laufen – schneller. hinein in die Verwirrung – das Geäst, Knacken, Flügelflattern, undefinierbares Gurgeln Grattern Graunen – ein Rauschen schwingt sich auf in den Nachthimmel – kein Weg vor den Füßen – sind nur noch Dornengewächse – modriges unter dem Farn. Es wird zu schnell dunkel – letzter Streif über den Bäumen – nicht ins Tannengehölz – es murmelt unter den tiefhängenden Ästen Dort schlafen sie. vorbeischleichen – Äste ragen – hochhinaus über den eben noch dagewesenen Blick ins Tal. Jetzt schwarz.
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Digitale Doppelbödigkeit
Charakteristisch für die Welt des Digitalen ist eine Art von „Doppelbödigkeit“ – Dinge sind eben nicht was sie scheinen!
Benutzer-Oberflächen, Layouts, Bilder, Töne sind quasi nur eine Maske, angelegt für unser Bewusstsein. Je nach gewählter „Übersetzungsform“ erscheinen uns auf der Oberfläche völlig unterschiedliche Dinge.
So sind Webseiten und Oberflächen in Wahrheit aneinander gereihte Programmzeilen, minimalistische Informationen, die uns wie Hyroglyphen erscheinen….
Je besser sie den Betrachter spiegeln, je besser sie dem Gewohnten entsprechen, desto einfacher scheint der Zugang und desto größer und unumstößlicher wird der Glaube daran, was man wahrnimmt, sei real…
…man könnte sich fragen, wie eine derartige Parallelexistenz möglich ist. Die Analogie von sinnlichem Schein und abstraktem Code, wie die zwei Seiten einer Medaille, geben Rätsel auf und im nächsten Schritt eröffnen sie schon weitere Metaebenen.
es entsteht ein Feld für Experimente mit dem, was bisher nur erahnt werden konnte… Das Finden von Zusammenhängen, das Umkehren von Beziehungen, der Tausch von Projektor und Projektion etc… all dies sind kleine Schritte auf dem Weg zu einer völlig revolutionierten Wahrnehmung…
Die Tatsache der Doppelbödigkeit birgt eine Vision – die Vision einer neuen Art von Bewusstsein. Ein Bewusstsein, das sich kontinuierlich selbst reflektiert, ein Bewusstsein, das eine sich selbst antreibende Umkehrung von Wirkungsverhältnissen erzeugt…das Schein erzeugt, um in Anschluss das Scheinende zu konstituieren, ein Bewusstsein, das Programmcodes liest wie eine Sprache, ein Bewusstsein, für das nur noch ein struktureller Unterscheid besteht zwischen real und nichtreal…
Wie sähe das Experiment der formalen Umstülpung aus…???
… wenn auf der Ebene des Codes jetzt die „sinnbeladenen“ (=sinnlich erfassbaren) Inhalte abgebildet wären (so etwas, wie Goethes Faust als Programmcode) – was würde man nun auf dem Display (=sinnlichen Oberfläche) finden…? Wie müsste ein kongruente Übersetzung aussehen?
Lassen sich Form und Inhalt tauschen, lässt sich das Sieb durchsieben, wie erlangen wir die Fähigkeit zum verstehen Erfassen reiner Information?
Stoff für ein neues Experiment
© 2009 B.Felician Siebrecht
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reflex
Die Konkretion [Manifestation] des Algoritmischen ist der Reflex des Digitalen in der Wirklichkeit.
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.overflow
Die Substanz der gegenwärtigen Art der Wahrnehmung ist die permanente Gleichzeitigkeit, der automatisierte overflow – die Abschaffung der Vertikalen
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Ein Aufbruch ins Sehen ohne Wiederkehr
Eine VerWirklichung
Die ca. 20 m breite und 2 m hohe Installation nimmt direkten Bezug auf die “gewordene” Umgebung auf dem Gelände der Henrichshütte. “Gefundene”, zufällige Strukturen aus Farbe und korrodiertem Metall, die von deren ehemaliger Funktion zeugen, werden aufgegriffen.
… Ist Ästhetisches automatisch „KUNST“?
„Mir scheint, daß die moderne Kunst in unserem Jahrhundert unsere Sichtweise so verändert hat, daß wir, was immer es ist, als ästhetisches Phänomen genießen können”
[John Cage]
Losgelöst von eben dieser ursprünglichen Nutzung und Bedeutung werden sie als höchst ästhetische Objekte wahrgenommen und in Korrespondenz zu den ursprünglichen Objekten – quasi als Spiegelung unserer Vorstellung – wiedergegeben.
Dabei werden die zufälligen, durch (natürliche) Prozesse entstandenen Strukturen zur intuitiven Anregung. Interpretationen des Schemenhaften verleihen dem bereits Vorhandenen, scheinbar „Bedeutungslosen“ Bedeutung.
…Wann und wodurch wird etwas zu „KUNST“?
In Analogie zum Schicksal vieler Industriebrachen, die durch sogenannte “Umnutzungen” eine neue Existenzberechtigung erhalten, beginnen wir damit eine „Umnutzung“ bzw. „Umwidmung“ der ursprünglichen Bedeutung dieser Objekte.
[...Bei den ursprünglichen „Nutzern“, wie beispielsweise den früheren Zechenarbeitern, führen jene Umnutzungsbestrebungen teilweise zu einem Gefühl von Befremdlichkeit. Der Enthusiasmus der neuen Nutzer (und Interpretierer), die aufkommende Faszination anhand des „ästhetischen Grundmaterial“ ist für Menschen, die mit der ursprünglichen Funktion verwachsen waren, nicht unbedingt nachvollziehbar...]
Dennoch: Wir wagen einen Versuch, Metamorphose zu visualisieren – beispielhaft. Materielles und „Ideelles“ einander visualisiert gegenüber zu stellen und in eine Form von Resonanz zu bewegen…
…Ist „KUNST“ demnach das, was wir als solche wahrnehmen?
… sich auf diesen bereits natürlich begonnenen Prozess von Verwandlung einzulassen in Form einer schöpferischen, gestalterischen, fantasiebegründeten Wahrnehmungsweise und ihn damit zeitgleich fortzuführen steht im Mittelpunkt des Projekts.
Das Vorhandene wird insofern verwandelt, als es in seiner Nutzung und Funktion neu definiert wird. Die eigentliche äußere Form bleibt bestehen.
… Ist „KUNST“ das, was wir als solche definieren?
Das Geschehen der Wahrnehmung als solches erregt dabei zusehends unsere Aufmerksam:
Was geschieht mit jeder nuancenhaften Verwandlung des “Gesehenen”?
Wie verbindet sich letztlich unsere “Idee” der Dinge mit dem Realen, mit dem Materiellen?
Und insbesondere: Welche Rückwirkung hat dies in Bezug auf das ursprüngliche Objekt?
… Ist „KUNST“ automatisch ästhetisch?
Mit welchem Bereich unseres Bewußtseins betrachten wir die eine – mit welchem die andere Seite des Objekts?
Wann und wie entsteht letztlich Einheit in unserem Bewußtsein?
Was geschieht, während wir beginnen „ETWAS“ zu sehen, zu realisieren, Formen zu erkennen, Begriffe zu bilden?
…Ist „KUNST“ das, was wir mit Absicht als solche produzieren?
In den Dingen Bedeutung sehen, Ästhetisches im Materiellen aufspüren, die Tiefe des Wahrgenommenen ergründen – mehr sehen als Stoff, Materie, Funktion ist letztlich immer wieder ein Abenteuer!
‚Das Leben ist ein Kunstwerk und das Kunstwerk ist Leben’
[Emmet Williams]
Die Installation ist „interaktiv“. Der „Einstieg“ in eine Form von Aktivität ist betonte Absicht. Es soll nicht ein „Kunstwerk“ entstehen, dem sich die Betrachter gegenüber sehen, sondern es will letztlich nur Vorschlag sein… ein Vorschlag, anders zu sehen, neu zu sehen, zu beginnen, sich die Welt in kreativer Weise zu “eigen” zu machen…
Die Fähigkeit, Vorstellung des Realen zu verändern, neue Begriffe zu bilden, das eigene Bewusstsein zu ver-wandeln, macht aus Menschen Schöpfer der Wirklichkeit und Autoren von Kunst …
… Ist „KUNST“ die Verwandlung von Vorhandenem?
Alles Wahrgenommene entsteht aus einer Resonanz zwischen den Dingen und unserer Vorstellung. Mittels unserer Wahrnehmung arbeiten wir kontinuierlich an einer Transformation der (unserer) Welt….
Die Fähigkeit, die Gesellschaft zu verändern,
leitet sich aus der Möglichkeit ab, den Geist zu ändern…“
[John Cage]
Trotz der “Größe” der Installation soll erlebbar werden, dass das “Eigentliche” ein Immaterielles ist, das einzig entsteht oder zerfällt mit der Aktivität jedes Einzelnen …
… Kann „KUNST“ ohne Absicht entstehen?
Mit dem Entschluss, unsere Wahrnehmung bewusst zu gestalten, begeben wir uns also auf eine Reise ohne Wiederkehr.
… Ist „das Ästhetische sehen“ die eigentliche „KUNST“ oder erst ihr Anfang?
Unsere ganz persönliche Wahrnehmung dieses Teils der Henrichshütte hat sich bereits unwiderruflich verwandelt… Uns scheint es, als wären SIE dort schon immer gewesen, jene seltsamen, teils fantastischen, teils archetypischen Wesen und Orte…
Selbst das unweigerliche Verschwinden der Installation wird daran nichts mehr ändern…
„Jeder Mensch ist ein Künstler
… damit sage ich nichts über die Qualität. Ich sage nur etwas über die prinzipielle Möglichkeit, die in jedem Menschen vorliegt. …Das Schöpferische erkläre ich als das Künstlerische, und das ist mein Kunstbegriff. “
[Joseph Beuys]
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Rundlauf
Auf meinem Rundlauf
gelange ich kurz zuhause an -
wie, als könnte ich dort bleiben
fühlt es sich an
und ist schon vorüber,
als ich ein Wort suche es festzuhalten
Ich räume meine Leben aus -
ich lasse die Dinge wandern,
wie die Freiheit,
die ich hergab.
© 2002 Brigitte Felician Siebrecht
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Tags: Leben, poetiCs, Wort, Zuhause
das Brausen
Das brausen
raubt mir den atem
wie der sturm auf dem offenen meer
und wenn ich gehe
wohin ich gehe
und fliehe und reise
folgt mir das brausen.
das brausen folgt jedem schritt
das brausen lebt.
© 2002 B.Felician Siebrecht
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Tags: Brausen, Leben, Meer, poetiCs


